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Samstag, 15. Juli 2017

Versnetze_zehn: Zwei Abschiede














Zwei Abschiede

Möbel, in den Zimmern wartend
auf die Reise in die nächste Heimat,
sammeln sich an den Türen.
Der Abend verhüllt jedes ihrer Verstecke.
Einer ging vor
und kehrte hinter unserem Rücken
als Unbekannter zurück. In Schubladen ist seine Fremdheit verbrieft.
Seine Anwesenheit wiegt schwer,
nachts ducken wir uns unter den schmalen Streif des Mondes,
am Morgen gehen wir gebückt umher.
Wir treten vorsichtig auf, der Boden
ist glattes Parkett, geschliffen von Lüge.
Weiße Vorhänge flankieren die leeren Fenster, sie winken
zum Abschied nach allen Seiten.



© Annette Hövelmann




in Versnetze_zehn,
herausgegeben von Axel Kutsch

ISBN 978-3-944566-71-9
Verlag Ralf Liebe, Weilerswist 2017


in diesem Buch ist noch ein zweites Gedicht von Annette Hövelmann erschienen: "man". Beide Texte stehen auf Seite 202.

















  

Samstag, 13. Mai 2017

Annette Hövelmann – Vita
















Annette Hövelmann



wurde 1940 in Aschaffenburg geboren

und lebt heute in Schwerte an der Ruhr,

zeitweise auch in Graal-Müritz an der Ostsee.

Sie veröffentlichte ihre Gedichte in zahlreichen Anthologien,

u. a. in verschiedenen Versnetze-Ausgaben (Hrsg. Axel Kutsch).

2015 erschien ihr erstes eigenes Buch.














Mittwoch, 10. Mai 2017

Herbst






Herbst



Zum Winterappell aufgereihte Bänke.

Auf totem Holz

sitzen Gäste zwischen kühlen Schatten.

Zeit springt von Augenblick zu Augenblick

weg von den Sonnendächern vergangener Sommer,

weg von dem Feuermal durch deinen Mund.

Sprache gefriert auf erstarrenden Lippen.

In den Überlandleitungen reisen verlorene Worte.





aus: Nicht für die Luft geboren, Weilerswist 2015










Freitag, 5. Mai 2017